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Hanni und Nanni unter Verdacht [2]

„Jetzt sind wir schon in der 4. Klasse“, sagte Nanni zu ihrer Zwillingsschwester Hanni. Sie waren in ihrem neuen Klassenzimmer in Lindenhof, und betrachteten es gründlich. „Ja, du hast Recht,“, antwortete diese. „Nun kommt man sich schon richtig erwachsen vor.“ „Aber nicht, dass ihr nun auf die unteren Klassen herab schaut!“, ließ sich da Carlottas Stimme vernehmen. Sie und noch ein paar andere Schülerinnen betraten den Raum ebenfalls. Als auch der Rest der Klasse erschien, gab es ein freudiges Wiedersehen. „Hallo Hilda, wie waren deine Ferien?“, fragte Bobby. „Ach, ganz passabel.“, antwortete sie. Aber ihre Augen glänzten. „Na, wie geht es deiner Mutter?“, wurde Lilo von Nanni gefragt. „Es geht ihr schon besser, danke.“ „Vorsicht die Jenks kommt.“, wurde die Klasse plötzlich unterbrochen. Und schon hörte man ihre schnellen Schritte, die immer näher kamen. Gott sie Dank wurde am ersten Tag nie richtig gearbeitet. Es wurde nur gesagt, was die einzelnen Schülerinnen brauchten und so weiter.
Zum Abendbrot erschienen dann auch die letzten Schülerinnen. Es wurde gelacht und geschwatzt. Alle freuten sich wieder in Lindenhof zu sein.

Eines Tages kam Angela, die einzige Neue -sie war sehr reich-, aufgeregt in den Gemeinschaftsraum gestürmt in dem die Mädchen gerade arbeiteten. „Mein Geld, es ist weg!“, schrie sie. „Heute Morgen habe ich einen zehn Markschein in meine Geldbörse getan und jetzt ist er weg!“ Angela war völlig am Boden zerstört. Ann und Hilda wollten sie beruhigen. „Vielleicht hast du in ja woanders hin gelegt.“, sagte Ann ruhig. „Oder du hast ihn verloren“, ergänzte Hilda sie. Angela sah noch mal überall nach, doch der Markschein
war unauffindbar. Da wurde der Klasse bewusst, jemand von ihnen stahl!
Angela war nicht die einzige der Geld fehlte, auch Jenny, Bobby und Carla vermissten ihre Wertsachen. Da berief Ann eine Konferenz im Gemeinschaftsraum ein. „Ihr werdet gemerkt haben, dass einige Schülerinnen unserer Klasse Geld und Wertsachen vermissen.“, begann sie die Rede. „Deshalb ist gewiss: Eine von uns stielt. Ich möchte niemanden von euch beschuldigen, aber ich bitte euch‚ eure Wertsachen nun immer im Auge zu behalten, damit nicht noch mehr verloren geht. Falls trotzdem noch Sachen fehlen, muss ich wohl oder übel zur Direktorin gehen. Also lasst es nicht so weit kommen!“ Die Klasse nickte. Ann hatte genau das gesagt, was sie dachten.

Bald fiel ihnen auf, dass Hanni und Nanni sehr verschwenderisch waren. Ihr Geldbeutel schien unermesslich zu sein. Waren sie die Diebe? Dass Hanni und Nanni ihr Geld vom Konto hatten, ahnte niemand. Alle sahen nur die Tatsache, dass Hanni und ihre Schwester viel Geld hatten.

Es waren nur noch wenige Wochen bis zu den Weihnachtsferien. Die ganze Klasse beteiligte sich an den Vorbereitungen für den bunten Abend. Es war gerade die Probe für das französische Stück. Mamsell war sehr zufrieden mit der Klasse. Da meldete sich Angela. Sie wollte auf Toilette gehen. Da sie im Moment nicht spielte, durfte sie gehen. Kurz nachdem Angela den Raum verließ, meldete sich auch Ann. Sie wollte sich allerdings ein Taschentuch holen, da sie Schnupfen hatte. Auch dies bejahte Mamsell.
Um zu den Toiletten zu gelangen, musste man vorbei an dem Umkleideraum und die Treppe hoch. Doch als Ann im Umkleideraum war, sah sie – Angela. Aber was will Angela hier, wenn sie auf Toilette muss?, fragte sich Ann. Doch alles löste sich von selbst. Denn als Ann zu ihrer Jacke wollte, ertappte sie Angela. Die war gerade in ihrer Jacke und durchsuchte alle Taschen. „Was machst du denn da?“, rief Ann aufgebracht. Angela drehte sich um. Schrecken erfüllte ihr Gesicht. „Ich, ich wollte es nicht, wirklich…“, schluchzte sie. Doch Ann verstand: Angela war also die Diebin gewesen. Dabei schien sie immer so reich zu sein.
„Bitte, bitte, sage es nicht den Anderen!“ Angela weinte nun bitterlich. Ann betrachtete sie mit gemischten Gefühlen. Sie war wütend auf Angela, andererseits konnte sie nicht böse sein – nicht mal zu ihrer Feindin. Angela tat ihr Leid. „Hier, nimm das“, sagte Ann und holte ein Taschentuch. Dann erzählte Angela alles. Wieso sie schon von drei Schulen geworfen wurde und wieso sie stahl. Der Grund waren ihre Eltern. Sie waren zwar reich, wollten Angela aber trotzdem nicht genug Taschengeld geben. Deshalb hatte sie sich das genommen, was sie brauchte: Geld.

Nach einer Stunde kehrten dann Ann und Angela zurück. Sie waren bei der Direktorin gewesen. Zuerst hatte Frau Theobald mit Angela geredet. Sie hatte ihr deutlich gemacht, dass sie sich entscheiden musste. Entweder sie wechselt die Schule, oder sie ändert sich. Angela entschied sich schließlich für das Wechseln. Sie hätte die schneidenden Blicke der Schülerinnen nicht vertragen.
Dann hatte die Direktorin mit Ann geredet. Aber wie anders hatte sie die Geschichte erzählt! Ann sagte genau das, was stimmte und zwar: Angela stahl nur aus Angst, sie könnte ihren Ruf verlieren. Als Frau Theobald Ann entließ, lächelte sie. Was für ein offenes und nettes Mädchen Ann doch war! Sie verzieh jedem – sogar ihrer Feindin. Sie wird eines der Mädchen sein, auf die Lindenhof einmal stolz sein wird.

Am Abend wurde Ann von ihren Freunden umringt. Sie hatten gehört, dass Angela die Schule verlassen musste. Eine der ersten waren: Hanni und Nanni. Als Ann sie sah, ging sie auf sie zu und entschuldigte sich. Als die Zwillinge hörten, dass sie als Diebe verdächtigt wurden, lachten sie laut los. Und die Klasse lachte mit. „Aber woher hattet ihr denn nun das Geld?“, fragte Jenny noch. „Wusstet ihr das etwa nicht? Wir haben hier doch ein Konto.“, antwortete Nanni. Da sagte Ann: „Na, Ende gut, alles gut.“