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Der Hirtenstab

Wie klein und töricht ich doch bin, zu glauben meine Worte könnten der Göttlichkeit habhaft werden, die mich durchsickert sobald ich deine Herzensstimme lese – fühle. Es waren mehr als Bilder, mehr als Sein… Deine Schilderungen haben den Abgrund lebendig gemacht, mich spüren lassen, dass wir alle nichts anderes als kleine Punkte in IHREM Netzwerk sind. Marionetten, die umfallen wie Dominosteine, sobald ein Glied der Kette seinen Weg verliert.
Du redest von Existenz… Ich frage mich unwillkürlich welche Beständigkeit mein eigener Funke ausmacht, hier in der Bibliothek – wo Stunde um Stunde fremde Leben meinen Weg kreuzen, Gesichter deren Augen Geistern gehören. Geistern mit Sonnenbrillen, in einer Welt die dem Schweif eines Kometen gleicht. Oder einem D-Zug?

Mich friert.

In Momenten wie diesen wird mir klar, dass nichts einen Sinn macht außer: Uns. Wir beide, einäugige Könige unter Blinden. Deren Grenzen nicht beschneiden, sondern sprengen. Alles. Seele und Körper – vereint unter IHREM Mantel.
Du magst die Ohnmacht des Blickpunktes wahrnehmen. Ja. Meine Schwäche ist die Furcht vor der Wahrheit.

Der Tempel. Du in Berlin. Ich kann dir deine Antwort geben: „Und Gott sah, dass es gut war.“ Lass mich deine Demut preisen, dein Sein, deine Sorgen und dunklen Schatten fortküssen. Erhellt durch Kerzen.
Nichts anderes zählt als das Wissen um die Kostbarkeit jedes Augenblicks. Und mit dir bin ich reich. Irgendwo lächelt die Göttin, das weiß ich.