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Schönheit ist nicht immer wichtig

Es war ein sonniger Frühlingstag und Danielle machte sich auf den Weg zur Schule. Sie war schon seit sechs Uhr morgens aus den Federn, um sich schön zu machen. Denn Danielle achtete sehr auf ihr Aussehen. Endlich, nachdem sie Lidschatten und Lippenstift aufgetragen hatte, verließ sie vor sich hin summend das Haus. So, in Hot Pants und Top, fühlte sie sich pudelwohl.
Auf dem Weg zur Schule kam sie immer an Marios Wohnung vorbei. Auch heute blieb Danielle unwillkürlich vor dem Eingang stehen. Sie musterte das kleine Einfamilienhaus gründlich. Ob Mario schon gegangen war? Nein, da in der Küche saß er, zusammen mit seinen Eltern. Danielle kontrollierte noch einmal ihr Make-up, strich sich durch die langen blonden Haare und klingelte schließlich an Marios Tür. Er selbst öffnete sie im Bademantel. Wie immer sah er einfach umwerfend aus. Seine leicht bräunlichen Haare schimmerten in der Sonne und an seinem Kinn bildete sich ansatzweise ein kleiner Bart. Danielle hatte Mühe sich auf den Beinen zu halten. Dieser Typ machte sie einfach verrückt!

„Hi Mario! Ich wollte fragen, ob du schon fertig bist.“ Und mit einem Seitenblick auf seinen Bademantel meinte sie: „Anscheinend wohl nicht. Hab ich dich beim Essen gestört?“ Danielle schaute ihn aus ihren himmelblauen Augen angriffslustig an. „Aber nein, du störst doch nicht.“ Mario lächelte, als sei es das normalste auf der Welt, dass früh morgens ein hübsches Mädchen auftaucht und ihn so leicht bekleidet sieht. „Komm doch rein! Du bist heute wohl ziemlich früh aufgestanden, was?“ Danielle öffnete den Mund, um zu antworten. Früh genug fiel ihr ein, dass es unklug wäre ihm auf die Nase zu binden das sie zwei Stunden Schönheitspflege hinter sich hatte. Sie wollte ja nicht angeben. „Ich bin eben ein Frühaufsteher.“, meinte sie schließlich.
Mario nickte nur und deutete dann auf einem Stuhl in seinem Zimmer. „Willst du dich nicht setzen? Ich muss noch schnell ins Bad. Schau dich ruhig um! Ich bin bald wieder da!“, sagte er dann und verließ das Zimmer. Danielle schaute sich Marios Zimmer genau an. Er hatte einen guten Geschmack, das musste sie zugeben. Sie stand auf und schaute sich die Bilder an, die an der Wand hingen. Es waren Bilder aus Kenia – exotisch und voller Farbintensität. Da erschien auch schon Mario. „Wie ich sehe gefallen dir die afrikanischen Bilder. Ich habe sie damals von meinem Opa bekommen. Er war oft in Kenia unterwegs. Willst du eins haben?“ Danielle war gerührt. „Danke! Das ist echt lieb von dir!“, meinte sie und ihre Augen blitzten. Mario beobachtete sie innig. Plötzlich hatte er das Bedürfnis sie zu küssen. „Danielle. Darf ich dich jetzt küssen?“ Mario stand dicht hinter ihr. Sie drehte sich um und ihre Lippen trafen sich.

„Ich glaub’ es nicht. Du hast Mario geküsst!“ Florian glaubte sich verhört zu haben. „Wie konntest du das nur tun? Ich dachte du liebst mich!“ Danielle schien verzweifelt: „Ich habe es nicht gewollt, Flo. Es ist einfach so passiert!“ Florian drehte sich um, sagte dass es aus ist und ging. Danielle blieb völlig aufgelöst zurück. Was sollte sie nur tun? Sie und Florian waren seit zwei Monaten zusammen, aber in letzter Zeit fühlte sie sich immer mehr zu Mario hingezogen.
Am nächsten Morgen sah die Welt schon etwas besser aus. Danielle schlenderte gerade über den Schulhof, als sie plötzlich inne hielt. War das etwa Flo, der Hand in Hand schlendernd mit Monique unterwegs war? Tatsächlich, er war es! Kalte Wut stieg in Danielle hoch. Es war erst einen Tag her, seit er sie verlassen hatte und schon heute hatte er eine Neue. Aber was hatte sie schon erwartet? Dass er um Verzeihung bettelnd zu ihr zurückkommen würde? Da hatte sie sich sichtlich geirrt. Sie verstand ja, dass er eine neue Freundin haben wollte, aber musste es ausgerechnet Monique sein? Die Streberin der Klasse?

Es war inzwischen Herbst geworden und Danielle war mit Mario zusammen. Als sie am Abend noch mal über sich nachdachte, musste sie schließlich einsehen, dass Schönheit nicht immer wichtig ist!