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Tschuldigung für gar nichts

Ist dir das einmal aufgefallen? Die Bahn baut, der Konsum hat Inventur, die Reiseroute wird umgeleitet… Unsere hektische Welt ist durchdrungen von dem Aushängeschild „Wir bitten um ihr Verständnis“: Für alles, was nicht passt, obwohl es passen sollte, wird gemeinhin unsere unsägliche Geduld vorausgesetzt. Immer. Überall.
Zum Beispiel an Autobahnen, wo auf kleinen, grellen Schildchen nach einer Baustelle für unser Verständnis gedankt wird. Ha! Das nenne ich einen Knaller. Schlimm genug, wenn man uns um Verständnis BITTET (hier besteht jedenfalls objektiv gesehen die Möglichkeit abzulehnen), aber es zu erwarten?

Nervt dich das auch so? Ich meine: Wo kommen wir denn da hin, wenn man einen ‚Fehler‘ begeht und statt versucht ihn wieder gut zu machen, nur dreist vorausgesetzt wird, dass man ja „Verständnis habe“?! Ich habe NICHT. Basta. Ich finde es unmöglich und schändlich, dass einem gutgläubigen Bürger in unserem Land gewisse Umstände als gegeben hingestellt werden und wir diese Umstände hinnehmen sollen. Mal ehrlich: Irgendwann ist mein Verständnisvorrat auch einmal aufgebraucht. Ende. Finito. Nichts mehr mit gefälligem Nicken. Warum für etwas nachsichtig sein, für das ich nichts kann, ja, das mich oft nicht einmal betrifft?
Im Gegenteil. DIE sollten sich was schämen. Deutschland rühmt sich seines Servicebereiches auf allen Ebenen. Frage: Wo sind die erreichbaren, zuvorkommenden, stets wie gut geölt funktionierenden Gelben Engel denn wenn man sie mal braucht? Leer und luftig ist’s plötzlich in Deutschland. Das schlimmste daran ist ja, dass wir wirklich nichts tun können. Im Enddefekt wird eben jene Tatenlosigkeit, die von uns erwartet wird, auch unser Los. Nichtstun als aufgedrückter Stempel. Deutschlands Vergangenheit? Gegenwart? Zukunft?